Lewentz: Straftaten auf Tiefststand - Aufklärungsrate auf Höchststand

Die positive Entwicklung der letzten Jahre hat sich in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) 2020 fortgesetzt: Im Jahr 2020 erfasste die Polizei 11.225 Straftaten weniger als 2019. „Die für das vergangene Jahr insgesamt 230.304 registrierten Taten stellen damit den niedrigsten Stand seit 1992 dar. Durch diese Entwicklung sank die Kriminalitätsbelastung für das Land Rheinland-Pfalz auf 5626 Straftaten pro 100.000 Einwohner“, betonte Innenminister Roger Lewentz.

Damit liegt die sogenannte Häufigkeitszahl nicht nur deutlich unter der des Jahres 2019 (5913), sondern nach wie vor auch erheblich unter dem Bundesdurchschnitt, der bei der letzten verfügbaren Zahl für 2019 einen Wert von 6548 ausweist. Rheinland-Pfalz befindet sich mit einer niedrigen Häufigkeitszahl weiterhin in der Spitzengruppe der Länder. 

„Dieses überaus positive Ergebnis ist teilweise auch auf vielfältige Einflüsse der Corona-Pandemie, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lockdown im Frühjahr 2020, zurückzuführen“, so Lewentz. Die zweite Welle der Pandemie und der damit verbundene Lockdown ab dem Monat November zeige bislang nur geringfügige Auswirkungen auf die Statistik des Jahres 2020. Hiermit im Zusammenhang stehende Veränderungen werden überwiegend erst anhand der Statistik für das Jahr 2021 deutlich werden. 

„Die weiterhin rückläufigen Zahlen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sicherheitsbehörden nahezu permanent mit neuen und steigenden Anforderungen konfrontiert sind. Dies wird beispielsweise anhand des Strafprozesses zum sogenannten Cyberbunker in Traben-Trabach deutlich. Zudem fordern einzelne schwerwiegende Gewalttaten, wie beispielsweise die Amokfahrt in Trier - die Ermittlungen hierzu dauern immer noch an - unsere Polizei in hohen Maße und oftmals über lange Zeiträume“, erläuterte der Minister.

Die Polizei Rheinland-Pfalz hat 2020 insgesamt 152.449 der 230.304 Straftaten aufgeklärt. Die Aufklärungsquote liegt damit um 1,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahr und beträgt nunmehr 66,2 Prozent. „Ohne Berücksichtigung von ausländerrechtlichen Verstößen beträgt die Aufklärungsquote 65,5 Prozent. Das ist die höchste Aufklärungsquote seit Einführung der bundeseinheitlichen PKS im Jahr 1971“, unterstrich Lewentz.

Auch im vergangenen Jahr bildeten die Diebstahlsdelikte mit etwas mehr als 24 Prozent aller Taten den Schwerpunkt aller Straftaten, gefolgt von den Rohheitsdelikten mit fast 18 Prozent. Dagegen entfielen auf die schwerwiegenden Straftaten gegen das Leben im Jahr 2020 mit 95 Fällen - davon blieben 45 Fälle im Versuchsstadium - lediglich 0,04 Prozent aller Delikte. 
Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind auf 4042 Fälle angewachsen. Diese Zunahme resultiert insbesondere aus Anstiegen bei der Verbreitung, dem Erwerb, dem Besitz und der Herstellung kinder- und jugendpornographischer Schriften um insgesamt 435 Fälle. Dagegen sind die Vergewaltigungen um 43 Fälle zurückgegangen. 

Raubüberfälle auf Straßen, Wegen und Plätzen haben im Betrachtungszeitraum um 117 auf insgesamt 477 Fälle um nahezu 20 Prozent abgenommen. Gleichermaßen sind die Körperverletzungen um 1892 Delikte auf nunmehr 27.779 zurückgegangen. Diese Entwicklung dürfte insbesondere auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Pandemie zurückzuführen sein.

Im Jahr 2020 wurden 36.118 einfache Diebstähle erfasst. Dies stellt einen Rückgang um 4.895 Taten bzw. 11,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar. Bei 9135 dieser Delikte handelte es sich um Ladendiebstähle. Im Vergleich zum letzten Jahr waren dies 999 dieser Taten bzw. fast 10 Prozent weniger. 

Für das Jahr 2020 sind in der PKS 19.288 schwere Diebstähle registriert; dies sind 1894 Taten weniger als im Vorjahr. „Nach den bereits in den Vorjahren zu verzeichnenden Rückgängen sanken insbesondere die Wohnungseinbruchdiebstähle nochmals um 19,1 Prozent. Das entspricht einem Rückgang um 621 Fälle auf 2627 Taten“, erläuterte der Minister. Dies stellt die niedrigste Fallzahl seit Einführung der bundeseinheitlichen PKS im Jahr 1971 dar. Bei der Hälfte der Wohnungseinbrüche blieb es, auch aufgrund verbesserter Sicherungsmaßnahmen, beim Versuch. „Mit dem Rückgang dieser Fallzahlen ging zudem eine deutliche Erhöhung der Aufklärungsquote auf nunmehr 23,9 Prozent einher. Für diesen Deliktsbereich handelt es sich hierbei um einen sehr guten Wert“, sagte Lewentz. 

Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2019 sind die Sprengungen von Geldausgabeautomaten im Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz und auch bundesweit wieder angestiegen. Im letzten Jahr wurden 35 solcher Taten, davon 19 Versuche, in Rheinland-Pfalz registriert. Ungeachtet dessen erzielte die Polizei im letzten Jahr mehrere herausragende Ermittlungserfolge in diesem Phänomenbereich. So konnten u. a. Angehörige einer niederländischen Gruppierung festgenommen werden, welche in Rheinland-Pfalz für mehrere Geldautomatensprengungen verantwortlich zeichnen. Daneben führten die Ermittlungen zur Festnahme von Tatverdächtigen anderer Gruppierungen, die in Rheinland-Pfalz einzelne oder mehrere dieser Delikte verübten. 

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte sind im Betrachtungszeitraum um 11 Prozent auf nunmehr 38.881 Taten zurückgegangen. Trotz dieser insgesamt positiven Entwicklung waren in diesen Deliktsfeldern auch gegenläufige Trends zu beobachten. So registrierte die Polizei Rheinland-Pfalz im Jahr 2020 insgesamt 549 Strafanzeigen im Zusammenhang mit der Beantragung bzw. der Auszahlung von Corona Soforthilfen. Diese wurden im Zusammenhang mit dem ersten Lockdown im Frühjahr letzten Jahres gewährt. In Bezug auf die seit November 2020 gewährten Corona Überbrückungshilfen sind für das das abgelaufene Jahr lediglich vier Betrugsdelikte in der PKS erfasst. Dies dürfte insbesondere auf die Pflicht zur Nutzung eines Steuerberaters zur Beantragung der Überbrückungshilfe als Regulativ zur Vermeidung von Missbrauch zurückzuführen sein. Corona Soforthilfen konnte hingegen jeder tatsächliche oder vermeintliche Gewerbetreibende im Frühjahr letzten Jahres selbst beantragen.

„Erneut zugenommen haben die Straftaten im Bereich der Cyberkriminalität mit einem Plus von rund 16 Prozent auf 15.794 Fälle, wobei bei diesem Deliktsfeld nach wie vor von einem sehr hohen Dunkelfeld ausgegangen werden muss“, so Lewentz. 

Nachdem im ersten Halbjahr 2020 noch ein leichter Rückgang der Delikte im Bereich der  Gewalt in engen sozialen Beziehungen, diese wird häufig auch als Partnerschaftsgewalt bezeichnet, registriert wurde, ist der PKS für das Gesamtjahr 2020 mit 8692 Fällen im Vergleich zum Jahr 2019 ein Anstieg um 319 Fälle, bzw. um 3,8 Prozent, zu entnehmen. Einen deutlichen Schwerpunkt bildeten dabei die Körperverletzungen mit 6388 Fällen. 

Die Gewaltdelikte gegen Polizeibeamtinnen und -beamte, Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Rettungskräfte sind im Jahr 2020 um 132 auf insgesamt 1825 Fälle angestiegen, wobei Delikte gegen Einsatzkräfte der Polizei um 133 auf 715 zunahmen. 

Ohne Berücksichtigung der ausländerrechtlichen Verstöße konnten von der Polizei im Jahr 2020 insgesamt 99.257 Tatverdächtige ermittelt werden. Dies sind rund drei Prozent weniger als im Vorjahr. Diese Entwicklung ist in erster Linie auf den insgesamt zu verzeichnenden Rückgang der Straftaten zurückzuführen. Von den ermittelten Tatverdächtigen waren etwas mehr als 74 Prozent Deutsche und rund 26 Prozent Nicht-deutsche. Bei annähernd sieben Prozent der Tatverdächtigen insgesamt handelte es sich um Zugewanderte.

„Auch wenn die Corona-Pandemie, die hieraus resultierenden Verhaltensänderungen der Bürgerinnen und Bürger und die Beschränkungen des öffentlichen Lebens die Kriminalitätsentwicklung in unserem Land im letzten Jahr beeinflusst haben, ist der in Bezug auf die Kriminalitätsentwicklung in Rheinland-Pfalz im Jahr 2020 im Ergebnis überwiegend positive Befund auch ein Verdienst unserer Polizei“ so Minister Lewentz anlässlich der Betrachtung der aktuellen Auswertungen. 

Die Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz werden auch zukünftig alles in ihrer Macht stehende tun, um den Bürgerinnen und Bürger weiterhin ein sicheres Leben in unserem Land zu ermöglichen. 

Die Auswertungen der Polizeilichen Kriminalstatistik des Jahres 2020 für Rheinland-Pfalz sind in tabellarischer Form im Internet auf der Seite der Polizei Rheinland-Pfalz abrufbar unter:
http://s.rlp.de/SU1