Mühlsteinrevier Rhein-Eifel soll Welterbe-Kandidat werden

Mit dem Antrag des „Mühlsteinreviers Rhein-Eifel“ strebt Rheinland-Pfalz eine Nominierung als Unesco-Welterbe an. Der zuständige Innenminister Roger Lewentz und das Kabinett folgen damit der einstimmigen Empfehlung des eigens für diese Auswahlentscheidung einberufenen rheinland-pfälzischen Fachbeirats. Der Antrag zur Aufnahme auf die deutsche Auswahlliste (Tentativliste) für das Unesco-Welterbe wird nun an die Kultusministerkonferenz weitergereicht.

„Im Mühlsteinrevier Rhein-Eifel wurde über insgesamt sieben Jahrtausende Basaltlava für die Produktion von Mühlsteinen genutzt. Es ist weltweit eines der ganz seltenen Beispiele, bei dem eine römische, mittelalterliche und neuzeitliche Produktionsgeschichte in ihren Auswirkungen auf kulturelle und umweltbezogene Faktoren bis heute verfolgt werden kann. Das hat der Fachbeirat gewürdigt und bestätigt, dass es sich beim Mühlsteinrevier Rhein-Eifel um ein bisher nicht auf der Welterbeliste repräsentiertes Thema handelt. Diese Einschätzung teilen wir. Rheinland-Pfalz hat kulturell wirklich viel zu bieten“, betonte Innenminister Lewentz.

Als potenzielle Welterbestätte spiegelt das Mühlsteinrevier Rhein-Eifel die Herstellung von Mühlsteinen und den Fernhandel mit diesen Produkten über einen Zeitraum von zwei Jahrtausenden. Das Mahlen von Getreide zum Verzehr ist eine Kulturtechnik von universeller Natur. Sie betrifft fast alle menschlichen Kulturen. Der Fachbeirat hat zudem die Wissensvermittlung im Mühlsteinrevier mittels mehrerer Infozentren sowie Kooperationen mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen herausgestellt.

Dem Fachbeirat, der sich das Mühlsteinrevier im September 2021 vor Ort angesehen hatte, gehörten folgende ehrenamtliche Mitglieder an:

  • Patricia Alberth, Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg, Vorsitzende der International Association of World Heritage Professionals (IAWHP)
  • Axel Böcker, stellv. Leiter der Denkmalbauabteilung der Völklinger Hütte, Mitglied in der Arbeitsgruppe Industrie der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger
  • Prof. Dr. Uta Hassler, em. Professorin und ehem. Leiterin des Instituts für Denkmalpflege und Bauforschung (IDB) der ETH Zürich, Distinguished Affiliated Professor der Technischen Universität München
  • Prof.-em. Dr. Johannes Renes (Lehrstuhl für Kulturelles Erbe, Vrije Universiteit Amsterdam)
  • Prof. Dr. Thomas Stöllner, Institut für Archäologische Wissenschaften, Ruhr-Universität Bochum, stellv. Direktor des Deutschen Bergbaumuseums Bochum

Ursprünglich waren auch Dipl.-Ing. Norbert Tempel und Frau Prof. Britta Rudolff für den Fachbeirat vorgesehen. Sie schieden jedoch aus, da beide an Welterbe-Anträgen anderer Länder für die deutsche Tentativliste beteiligt sind.

Die weiteren Anträge zur Sayner Hütte und den Historischen Weinbergen der Kulturlandschaft Moseltal finden keine Berücksichtigung im Verfahren, weil sie keine Empfehlung des Fachbeirates erhielten.

Als nächster Schritt wird bei der Kultusministerkonferenz ein Fachbeirat eingerichtet, der bis März 2023 alle aus den Bundesländern eingereichten Bewerbungen evaluieren soll. Darauf folgt die Behandlung in der Kultur-Ministerkonferenz. Die diesem Beschluss entsprechende neue Tentativliste wird 2024 bei der Unesco eingereicht, sodass ab 2025 die erste der jährlich möglichen Nominierungen gegenüber der UNESCO erfolgen kann.

Die Auswahlempfehlungen des rheinland-pfälzischen Fachbeirats stehen online zur Verfügung: 
https://mdi.rlp.de/de/unsere-themen/kulturelles-erbe/welterbe/.