| Preis für Zivilcourage

Innenminister Lewentz ehrt couragierte Helfer

Innenminister Roger Lewentz wirbt vor dem Hintergrund zunehmenden Hasses und Hetze für Zivilcourage. „In diesen Zeiten ist unsere Gesellschaft darauf angewiesen, dass Menschen aufstehen, Gesicht zeigen und ihre Stimme erheben", sagte Lewentz bei der Verleihung des diesjährigen Preises für Zivilcourage in Mainz.
Gruppenbild mit Minister Lewentz, allen Preisträger und weiteren Vertretern aus der Politik.
„Wer nichts tut, macht mit – dieses Motto sollte jeder verinnerlicht haben," so Minister Lewentz bei der Verleihung des Preises für Zivilcourage 2019 in Mainz.

Die Preisträgerinnen und Preisträger seien gute Beispiele dafür, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt funktionieren kann.

Bereits zum 20. Mal wurden Menschen ausgezeichnet, die sich in Notlagen für andere eingesetzt, Schaden abgewehrt und Leid gemindert haben. Die Preisträger wurden durch eine interdisziplinär besetzte Jury unter dem Vorsitz von Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß ausgewählt. Staatsminister Lewentz betonte bei der Preisverleihung: „Wer nichts tut, macht mit – dieses Motto kommt nicht aus der Mode. Jeder von uns sollte es verinnerlicht haben."

Folgende Preisträger werden mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet:

Giancarlo Reale

Ein jüngerer Mann blieb im März dieses Jahres auf einem Zebrastreifen mitten in Mainz stehen und blockierte so den Verkehr. Ein junger Motorradfahrer forderte den späteren Täter auf, weiterzugehen. Anstatt dieser Bitte nachzukommen, zückte der Beschuldigte ein Messer, verfolgte den Motorradfahrer und stach auf dessen Kopf und Oberkörper ein. Der Angegriffene flüchtete in ein Café und brachte sich so in Sicherheit. Der Täter nahm daraufhin die Verfolgung zwei weiterer Personen auf, die das Geschehen beobachtet hatten. Im Café war auch Herr Reale. Er erkannte den Ernst der Lage und verfolgte den Täter, der nun hinter einem Fußgänger herrannte. Um den Beschuldigten aufzuhalten, warf Herr Reale mehrfach Stühle gegen den Täter, worauf dieser kurz innehielt.

Nachdem sich der angegriffene Fußgänger retten konnte, rannte der Täter auf einen Radfahrer zu. Als er sich mit zwei Messern auf den Fahrradfahrer stürzte, traf Herr Reale ihn so, dass der Angreifer hinfiel und fixiert werden konnte. Drei weitere Zeugen kamen Herrn Reale zu Hilfe, hielten den Täter mit fest und entwaffneten ihn.

Artur Kimel

Herr Kimel wurde im Mai bei der Arbeit in Alzey darauf aufmerksam, wie ein 82-jähriger Mann mehrfach mit einem Küchenmesser auf seine - von ihm getrennt lebende - Ehefrau einstach. Der Mann traf und verletzte sie erheblich. Herr Kimel rannte zum Tatort, um dem Opfer zu helfen. Er griff aktiv in das Geschehen ein und machte den Täter durch einen gezielten Tritt handlungsunfähig. Dieser konnte so kampfunfähig gemacht und entwaffnet werden. Der Einsatz rettete der Frau das Leben. Durch die alarmierte Polizei konnte der Täter direkt festgenommen werden.

Mario von Wantoch-Rekowski, Diego Pace, Marcel Barth, Niclas Herrmann

Zwei jüngere Männer, die sich in Mainz getroffen hatten, gerieten im Laufe des Abends in Streit. Schließlich eskalierte die Situation, als der Beschuldigte vom späteren Opfer Geld forderte. Es kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Durch die heftigen Schläge ging das Opfer bewusstlos zu Boden. Trotzdem schlug der Täter weiter auf den wehrlosen Mann ein und verursachte zahlreiche Brüche und andere Verletzungen. Herr von Wantoch-Rekowski, Herr Pace, Herr Barth und Herr Herrmann wurden Zeugen der Geschehnisse. Mit vereinten Kräften versuchten Herr von Wantoch-Rekowski, Herr Pace und Herr Herrmann den Täter durch Gespräche von weiteren Attacken abzubringen und schirmten das Opfer vor weiteren Übergriffen ab. Herr Barth leistete dem Verletzten erste Hilfe. Der geflüchtete Täter konnte später festgenommen werden.

Sonderpreis: Manfred Sader

Manfred Sader verständigte im September die Polizei in Kaiserslautern, da er einen älteren Nachbarn einige Tage nicht mehr gesehen hatte. Der Nachbar wurde von der Polizei in seiner Wohnung auf dem Boden liegend angetroffen. Zwar war er ansprechbar, lag aber schon einige Tagen dort. Ein Rettungswagen brachte den hilflosen und dehydrierten Mann schließlich ins Krankenhaus.

Da Herr Sader aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Preisverleihung teilnehmen konnte, nahm der Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, Michael Denne, die Auszeichnung stellvertretend entgegen. Sie wird Herrn Sader vor Ort übergeben werden.

Sonderpreis für Zivilcourage

Mit einem Sonderpreis für Zivilcourage zeichnete die Stiftung Kriminalprävention Rheinland-Pfalz durch ihre stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende Tanja Schultz-Schwaab das Netzwerk Zivilcourage aus, das von der Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V. (Trier) koordiniert und organisiert wird. Das Netzwerk Zivilcourage wurde 2013 gegründet und ist ein Zusammenschluss von insgesamt 90 Zivilcourage-Trainerinnen und -Trainern aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Rund 15 Mal im Jahr veranstalten Mitglieder des Netzwerks Zivilcourage-Trainings mit dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger zu couragiertem Handeln zu bewegen, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 2500 Euro verbunden, um die Arbeit zu unterstützen.

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